Philosophie – im Dialog und im Bild

Ich und Du

Auch wenn wir modernen westlichen Menschen uns in erster Linie als Individuen sehen, kommen wir nicht an der Tatsache vorbei, dass wir wesentlich auf andere angewiesen sind. Dies kann ich als natur­gegeben hinnehmen, sogar begrüßen, weil es Halt und Sicherheit verspricht, oder als Ärgernis abwehren.
In der Sozio­logie wird die Frage nach dem Ver­hältnis zwischen Individuum und Gesell­schaft neu gestellt: Wie sie sich gegen­seitig bedingen und definieren, wird nun erfahrungs­wissenschaftlich ermittelt. Diese Möglichkeiten bestimmen auch die Grund­positionen der Philo­sophie der Gesell­schaft.

Wie deuten wir Geschichte? Sollen wir ihr jeden Sinn absprechen, die Entwicklung der Gesell­schaft im Lauf der Zeit als quasi natur­gesetz­lichen Prozess ansehen oder sie als Heils­geschichte begreifen?

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Levinas: Antlitz / le visage de l'autre
Levinas: Antlitz / le visage de l'autre; Acryl und Aquarell auf Büttenpapier, 40 x 30 cm

Emmanuel Levinas (französisch Lévinas) (1906–1995) war ein die meiste Zeit in Frankreich lebender jüdischer Philosoph. In einer Freiburger Studienphase, ab 1928, setzte er sich mit der Phänomenologie Edmund Husserls und Martin Heideggers auseinander. Von dieser ausgehend vollzog er eine radikale Wende, indem er die Philosophie auf der Ethik gründete. Für diese Wendung kann seine Rede vom ‚Antlitz des Anderen‘ Chiffre gelesen werden. Er entfaltete seine Philosophie in zahlreichen Werken, für die hier beispielhaft der Auswahlband Die Spur des Anderen. Untersuchungen zur Phänomenologie und Sozialphilosophie genannt sei.


I and me and the stranger – Hommage à J. H. Mead (1)
I and me and the stranger – Hommage à J. H. Mead (1); Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm

Im Denken des Psychologen, Philosophen und Evolutionstheoretikers George Herbert Mead (1863–1931) spielt die Perspektivendifferenz zwischen zwei Formen des Selbst, "i" und "me", eine zentrale Rolle. Dabei ist – sehr vereinfacht gesagt – das "me" mein Selbst, wenn ich mich mit den Augen der anderen sehe, das "i" mein Selbst, wenn ich zu dem „me“ Stellung nehme. Um den gesellschaftlichen Bezug als einen offenen zu bestimmen, ist der Fremde in diesem Bild hinzugefügt.


Walther von der Vogelweide: Unter der Linden
Walther von der Vogelweide: Unter der Linden; Aquarell, Acrylfarbe und Blattgold, 40 x 30 cm


Hohes Lied: Die Stimme meines Geliebten! Siehe, da kommt er, springt über die Berge, hüpft über die Hügel. (2,8)
Hohes Lied: Die Stimme meines Geliebten! Siehe, da kommt er, springt über die Berge, hüpft über die Hügel. (2,8); Aquarell, 40 x 30 cm

קֹול דֹּודִי הִנֵּה־זֶה בָּא / Kol dodi hinei sä ba


Hohes Lied: Denn stark wie der Tod ist die Liebe. (8,6)
Hohes Lied: Denn stark wie der Tod ist die Liebe. (8,6); Tempera auf Aquarellpapier, 40 x 30 cm

Diese Zeile „כִּי־עַזָּה כַמָּוֶת אַהֲבָה / ki asa ka mavet ahava / Denn stark wie der Tod ist die Liebe“ schrieb ein unbekannter Dichter – lange Zeit dachte man, es sei König Salomon gewesen – vor etwa zweieinhalb tausend Jahren. Sie findet sich in einer Sammlung von Liebesliedern in hebräischer Sprache, die als Hohes Lied in der Bibel überliefert ist.


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