Philosophie – im Dialog und im Bild

Gesellschaft und Geschichte

Auch wenn wir modernen westlichen Menschen uns in erster Linie als Individuen sehen, kommen wir nicht an der Tatsache vorbei, dass wir wesentlich auf andere angewiesen sind. Dies kann ich als natur­gegeben hinnehmen, sogar begrüßen, weil es Halt und Sicherheit verspricht, oder als Ärgernis abwehren.
In der Sozio­logie wird die Frage nach dem Ver­hältnis zwischen Individuum und Gesell­schaft neu gestellt: Wie sie sich gegen­seitig bedingen und definieren, wird nun erfahrungs­wissenschaftlich ermittelt. Diese Möglichkeiten bestimmen auch die Grund­positionen der Philo­sophie der Gesell­schaft.

Wie deuten wir Geschichte? Sollen wir ihr jeden Sinn absprechen, die Entwicklung der Gesell­schaft im Lauf der Zeit als quasi natur­gesetz­lichen Prozess ansehen oder sie als Heils­geschichte begreifen?

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L'étranger – Den Fremden sollst du nicht bedrücken (2 Mos 23,9)
L'étranger – Den Fremden sollst du nicht bedrücken (2 Mos 23,9); Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm

An zahlreichen Stellen in der Bibel wird das Verbot ausgesprochen: „Und den Fremden sollst du nicht bedrücken.“ Begründet wird es zumeist mit dem Hinweis: „Ihr wisst ja selbst, wie es dem Fremden zumute ist, denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen.“


Utopia – nicht mehr lernen sie Krieg (Micha 4,3)
Utopia – nicht mehr lernen sie Krieg (Micha 4,3); Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm

Utopie ist insofern ein merkwürdiger Begriff, als er eine räumliche Bestimmung – wörtlich übersetzt: kein-Ort – als zeitliche fasst, ein Zustand, der noch nicht erreicht oder – nach dem überwiegenden modernen Sprachgebrauch – sogar unerreichbar ist.
Im Gegensatz dazu hat der Prophet Micha, wie andere Propheten, versichert, dass nach langen Epochen der sozialen Ungerechtigkeit und kriegerischer Auseinandersetzungen ein Zustand eintritt, in dem alle Menschen in Frieden vom Ertrag ihrer Arbeit leben können.


Sieger sind sich ihres Sieges sicher
Sieger sind sich ihres Sieges sicher; Acryl auf Leinwand, 70 x 50 cm


W. Benjamin: Über den Begriff der Geschichte (IX): Fortschritt
W. Benjamin: Über den Begriff der Geschichte (IX): Fortschritt; Aquarell, 40 x 30 cm

Die 1940 verfasste geschichtsphilosophische Schrift Über den Begriff der Geschichte von Walter Bendix Schoenflies Benjamin (1892–1940) ist eine hochkomplexe Auseinandersetzung mit historischem Materialismus und Historismus. Ein zentraler Gedanke ist, dass ein Fortschritt, der nicht in ethischer Entscheidung gestaltet wird, in die Katastrophe führt.


Europa ist Christin geworden
Europa ist Christin geworden; Briefkarten-Objekt auf Aquarellpapier und Briefumschlag, 17,5 x 24,5 cm

Gehört der Islam zu Deutschland? Die Frage ist Anlass daran zu erinnern, dass die Religion seiner Heimat und damit auch die meisten der im übrigen Deutschland und der Welt vertretenen Ausprägungen des Christentums ohne die Scholastik nicht denkbar wären. Dieses wiederum hätte sich ohne die durch den Islam bzw. muslimische Gelehrte vermittelte Kenntnis der griechischen Antike zumindest nicht in dieser Form entwickelt. Und das war nur möglich, weil der Islam Teil dessen war, was wir heute als Europa bezeichnen, wozu auch Deutschland gehört. Es gab Zeiten, in denen sich hier jüdische, christliche und muslimische Gelehrte in gemeinsamer Arbeit jene Quellen erschlossen.


Ich AG – Wir GmbH (Risikogesellschaft)
Ich AG – Wir GmbH (Risikogesellschaft); Linolschnitt auf Zeichenpapier, 42 x 30 cm
Auflage: 3 von 100

„Ich-AG bezeichnet ein Einzelunternehmen, das von einem Arbeitslosen gegründet worden ist, der für diese Existenzgründung einen Existenzgründungszuschuss ... erhält. Der Begriff wurde von den Autoren des Hartz-Konzeptes geprägt, ist jedoch nicht amtlich. Das Konzept der Ich-AG trat mit dem Gesetzespaket ‚Hartz II‘ am 1. Januar 2003 in Kraft.“ (wikipedia) Der Begriff hatte die Ehre, zum Unwort des Jahres 2002 gekürt zu werden.
Mit seinem Buch Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne (1986) hat Ulrich Beck eine vielschichtige soziologische Analyse seiner (und m. E. In vieler Hinsicht noch unserer) Gesellschaft vorgelegt. Ein Gedanke ist, dass durch scheinbare Verringerung sozialer Ungleichheit neue Ungleichheiten entstehen, die dem Einzelnen „Bausätze biografischer Kombinationsmöglichkeiten“ (217) zur Verfügung stellen, ihm aber gleichzeitig wesentliche Elemente des sozialen Halts entziehen.


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